Baum-Knospen, Medizin der Bäume

Gemmotherapie - Medizin der Bäume

"Die Seele im Körper ist wie der Lebenssaft im Baum, und die Kraft der Seele ist wie die Form eines Baumes.

Und so wie die Form des Baumes entsteht, so offenbart die Seele ihre Kraft"

                                                                                                                                         Hildegard von Bingen

 

 

Die Gemmotherapie

 

"Gemma" ist das lateinische Wort für "Knospen" 

Das Wissen über das junge, im Wachstum befindliche Gewebe der Bäume und Sträucher - das Embryonalgewebe macht sich die Gemmotherapie zu Nutze und ist ein Teil der Phytotherapie. 

 

Diese zarten Knospen sind prall gefüllt mit jeder Menge Informationen. Sie besitzen sozusagen den gesamten Bauplan der Pflanze und beinhalten wertvolle Vitamine, Spurenelemente, Enzyme, Mineralstoffe, pflanzliches Eiweiß und eine Vielzahl an Botenstoffen - die sogenannten Wachstumshormone.

Doch nicht nur in den Knospen steckt diese geballte Energie, sondern auch in allen anderen frischen, jungen Pflanzenteilen des Baumes, wie den jungen Blätter, in den noch nicht ganz geöffnet Blüten, den Triebspitzen und im Kambium unter der Rinde.

 

Im deutschsprachigen Raum ist die Lehre der Knospenmedizin, gegenüber Länder wie Frankreich, Italien oder Belgien eher unbekannt. Sie begann in den 1950er Jahren durch die systematische Erforschung des pflanzlichen Embryonalgewebes des belgischen Arztes Henry Pol. Heute ist die Gemmotherapie ein auf wissenschaftlichen und klinischen Grundlagen erforschte Therapieform.

 

Die meisten Gemmomazerate werden heute nach der belgischen Methode hergestellt.

Um die Bio-Energie des jungen Gewebes optimal zu mazerieren, wird ein Gemisch aus Alkohol-Wasser-Glyzerin, zu gleichen Teilen gemischt, in dem dann das ausgewählte, zerkleinerte Pflanzenmaterial (etwa 1g pro 100ml Gemisch) kommt. Dieses Mazerat bleibt für mindestens 3 Wochen stehen, bis es abgefiltert und in Braunflaschen mit Sprayaufsatz abgefüllt wird. 

Bei Bedarf 2-3 Sprühstöße mehrmals täglich direkt in die Mundhöhle sprühen. 

 

 

Schwarze Johannisbeere (Ribes nigrum)
Schwarze Johannisbeere (Ribes nigrum)

Gemmo-Mazerate als sanfte Medizin

Einige Anwendungsbeispiele:

- Eines der am besten erforschte und angewandte Gemmomazerat, ist das der schwarzen Johannisbeere (Ribes nigrum). Sie besitzt eine cortisonähnliche und entzündungshemmenden Wirkung und wird bei Heuschnupfen, Allergie, beginnender Erkältung, Asthma, Erschöpfung, Stress eingesetzt.  

 

- Walnuss: bei Störungen des Magen-Darmtraktes, bei Schwierigkeiten sich abzugrenzen - Hautbeschwerden und Autoimmunerkrankungen, wirkt entgiftend.

 - Schwarzpappel: wird eingesetzt bei Beschwerden der Blase, Gelenke, chronische Entzündungen.

Eiche: entzündungshemmend

- Apfel: hormonelle Dysbalance, Hitzewallungen

- Linde:  Nr. 1 bei depressiver Stimmung, hilft bei innerer Spannung, wirkt ausgleichend bei Trauer, bringt inneren Frieden.

 

Bei allen Anwendungen, ist eine vorherige Absprache mit dem Hausarzt notwendig ! 

Knospen von links nach rechts: Rosskastanie (Aesculus), Berg-Ahorn (Acer pseudoplatanus) , gemeine Esche (Fraxinus excelsior), Linde (Tilia)

 

 

wolliger Schneeball (Viburnum lantana)
wolliger Schneeball (Viburnum lantana)

Sammelregeln

 

Möchte man sich ein Gemmomazerat selber herstellen, ist zunächst ein exaktes Wissen über die genaue Bestimmung der Pflanzen Voraussetzung.

 

Einige Bäume und Sträucher sind auch im Winter ohne Blattwerk leicht zu erkennen, doch ist es ratsam, bevor man die ersten Pflanzenteile sammelt, sich von einem Experten begleiten zu lassen. Eine gute Möglichkeit ist hier bei einer Knospenwanderung teilzunehmen, um sich genaueres Wissen anzueignen.

 

Der nächste wichtige Punkt, das sagt uns schon ein altes Sprichwort:

 

 

"Äpfel sammelt man mit dem Kübel,

Kräuter mit dem Korb und Knospen mit dem Fingerhut"

 

Ein behutsamer Umgang mit der Natur, ist hier besonders erwähnungswert. Das Sammeln von Knospen ist ein erheblicher Eingriff in das Wachstum der jeweiligen Pflanzenteile. Der Baum soll auf keinen Fall unter der Sammellust leiden, daher werden nur 4-5 Knospen pro Baum gesammelt und das von unterschiedlichen Ästen. Von den Knospen braucht man wirklich nur ganz wenig, denn sie wirken schon in geringen Mengen. 

 

Eine tolle Gelegenheit, Knospen zu sammeln ist es, wenn die Bäume im Februar/März sowieso  gekürzt oder auch manche komplett gefällt werden. Hier die frischen Knospen abzusammeln, bevor die Baumreste entsorgt werden, ist eine gute Möglichkeit verschieden Produkte aus den Knospen herzustellen.

 

Möchte man die Gemmomazerate nicht selber herstellen, gibt es sehr gute standardisierte Präparate, von verschiedenen Anbietern zu erwerben. 

weibliche und männliche Blüten der Hasel ( Crylus avellana)

Die Hasel wird in der Gemmotherapie bei chronischen Entzündungen der Lunge und bei Gefäßerkrankungen eingesetzt.

 

VogelbeerEbereschen-Endknospe
Vogelbeer/Ebereschen-Endknospe

Was kann ich noch aus den Knospen herstellen

 

Ein Vogelbeerknopsen-Zucker riecht und schmeckt fantastisch nach Marzipan und verzaubert so manche Süßspeise in eine besonderes Highlight.

 

Die Pappelknospe wird auch das grüne Propolis genannt. Aus den Pappelknospen lässt sich eine Öl ansetzen, weches später zu einer Pappelsalbe verarbeitet werden kann. Diese wird bei Fieberblasen, Entzündungen, kleinen Verletzungen, Hämorrhoiden eingesetzt und soll in keiner natürlichen Hausapotheke fehlen.

 

Wer die Vitalkraft der Knospen nicht in Alkohol einnehmen möchte, für dem besteht die Alternative eines Oxymels (Sauerhonig). Hier werden zwei Teile Honig mit einem Teil guten Bioessig vermischt und die Pflanzenteile in diesem Ansatz einige Wochen ausgezogen.

Mit Wasser verdünnt schmeckt es nicht nur Kindern. Es ist eine hervorragende Möglichkeit die Heilkraft des Honigs und des Essigs, mit den gelösten  Inhaltstoffen der Pflanze auf diese Weise unserem Körper zuzuführen.

 

Wer Alkohol und und den Sauerhonig nicht mag, hat noch die Salzlake (Sole) zur Verfügung. Sole wirkt basisch, ausleitend und harmonisierend. Dafür wird in einem Glas Wasser mit soviel Natursalz vermischt, bis sich in der Flüssigkeit kein Salz mehr löst. Diese gesättigte Salzlösung (26% gesättigt) ist nun bereit für das Pflanzenmaterial, das zuvor mit dem Mörser zerkleinert wurde.

Bei Übersäuerung oder Magenverstimmung, werden 10 Tropfen in ein Glas Wasser verdünnt eingenommen.

 

Von links nach rechts: Rotbuche (Fagus sylvatica), Holunder (Sambucus nigra), Kornelkirsche (Cornus mas), Walnuss (Juglans regia)

 

Ich hoffe ich konnte ein wenig dazu beitragen, dass du beim nächsten Spaziergang den einen oder anderen Baum erkennst.

Ich wünsche dir viel Spaß beim Erkunden der Natur.

 

Bis bald

Silvia

 

Quellen und Buchempfehlung:

Knospen und die lebenden Kräfte der Bäume, Gabriela Nedoma

Gemmotherapie,  Cornelia Stern

 

Fotos: Fröhlich Silvia